Forschungsprojekt für das BBSR
Kreative Nutzung von Freiräumen in der Stadt – Rechtefibel

 

Zusammen mit meinem heldenhaften Team haben wir die Ausschreibung zur Erstellung einer Rechtefibel für Jugendliche des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) gewonnen. Innerhalb der nächsten 12 Monate werden wir uns also mit dem Wunsch der Jugendlichen des 6. Jugendforums Stadtentwicklung, das im August 2014 in Potsdam stattfand, nach einer Rechtefibel für Freiraumnutzung auseinandersetzen.

Das Spektrum reicht hierbei von Spontanpartys im Freien, über Demonstrationen, Parkingdays oder Baumscheibenbespielung bis hin zu Brachenbespielungen durch Jugendliche und junge Erwachsene.

Gerade diese Zielgruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen bewegt sich bei Aneignungen im öffentlichen Raum in einem komplizierten Spannungsfeld zwischen Politik, Verwaltung, Nachbarschaft und Eigentümern. Denn auf der einen Seite wird von der Politik der Anspruch formuliert, dass Jugendliche mehr Verantwortung und Engagement bei der Entwicklung ihres Umfeldes übernehmen sollen. Auf der anderen Seite verfolgen Anwohner, Verwaltung oder Grundstückseigentümer oft ganz eigene Interessen die sich in vielen Fällen schwer mit den Ideen und dem Tatendrang Jugendlicher vereinbaren lassen. Hinzu kommt, dass Jugendliche oft mit Lärm, Müll und aufmüpfigem Verhalten assoziiert werden.

Dabei sind es doch gerade die selbstbestimmten Aktionen die Bedürfnisse und Wünsche an unsere Städte sichtbar machen und einen Verantwortungsvollen Umgang mit unserem Lebensraum aufzeigen. Gleichzeitig hat sich immer wieder gezeigt dass viele Akteure oder die die es werden wollen sich über ihre Möglichkeiten oder etwa bereits bestehende Angebote nicht im Klaren sind und somit gar nicht wissen welche Spielräume es gibt, sich einen eigenen Freiraum zu erschließen und aktiv am Stadtgeschehen teilzunehmen.

 

Ziele

Mit der Auseinandersetzung und Erforschung bestehender Projekte, den Gesprächen mit Entscheidungsträgern, Schlüsselpersonen und Vermittlern und der daraus resultierenden Erstellung einer Rechtefibel möchten wir:

  •  Eintrittsbarrieren senken
    (Wie fange ich an? / Was kommt zuerst?)
  •  Möglichkeiten aufzeigen, lange bürokratische Wege zu umschiffen oder immerhin zu verkürzen.
    (Welches Amt ist für was zuständig, welche Genehmigungen, Anträge und Gesetzestexte sind wichtig?)
  •  …zeigen, wie sich nutzergetragene Entwicklungen nachhaltig in die Nachbarschaft integrieren lassen
  •  mögliche Vermittlerstellen vorstellen.
    (Wer kann mir weiterhelfen? Gibt es Initiativen oder Ansprechpartner bei der Stadt?)

… und natürlich motivieren loszulegen!

 

Was wir wollen:

Wissenschaftliche Abhandlungen zum Freiraumdiskurs oder Zwischennutzungsthematik, der kreativen Stadt oder Partizipationsmodellen gibt es wie Sand am Meer. Praktikabel sind die wenigsten davon. Wir möchten also keine weitere wissenschaftliche Abhandlung über urbane Räume und deren Nutzungsformen verfassen, sondern eine Fibel für Jugendliche entwickeln, die ihnen die Möglichkeit gibt, ihre Wünsche und Anforderungen an den Stadtraum (auch und vor allem im Hinblick auf rechtliche Rahmenbedingungen) einfacher umzusetzen. Gleichzeitig soll Stadtverwaltungen und Grundstückseigentümern Mut gemacht werden nutzergetragene Entwicklungen zu unterstützen und zuzulassen. Hierfür sollen im Rahmen dieser Forschung verschiedene Projekte analysiert, mögliche Knackpunkte und Eintrittsbarrieren gefunden und Lösungsansätze entwickelt werden. Mit der Publikation möchten wir dazu beitragen mehr Transparenz zu schaffen und dabei helfen, den Weg für eine Rechtsgrundlage für temporäre Raumnutzungen zu eben, um so langwierige Bürokratieprozesse für die Nutzer zu vereinfachen.

 

Aufruf:

Vom 07. April bis 19. April sind wir auf Forschungsreise. Mit unserem mobilen Labor sind wir unterwegs von Stadt zu Stadt und von Freiraumprojekt und Kollektiven, Stadtverwaltungen hin zu den Akteuren und Vermittlern. Wenn es in Deiner Stadt etwas gibt, das wir sehen sollten, dann gib uns Bescheid und wir kommen vorbei!

 

Verantwortliche und Förderer

Das Forschungsprojekt wird im Auftrag des Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung( www.bbsr.bund.de) (BBSR) durchgeführt und umgesetzt von Laura Bruns (StadtstattStrand), Konrad Braun (Open Berlin), Sabeth Tödtli (zURBS), Iver Ohm (CIT Collective) und Michael Ziehl (urban upcycling).

 

 

Der Prozess

 

infografik