DIE STÄFFELE-GALERIE

Was wäre, wenn die Stuttgarter Stäffele nicht nur im Verborgenen existieren, sondern Orte für Sport, Bewegung, Begegnung und kulturelle Events wären? Wenn sie zur Outdoor-Kunstgalerie werden oder dort abendliche Konzerte stattfinden?

Diese Frage haben sich Studiernende verschiedener Stuttgarter Universitäten gestellt und die Stäffele Galerie ins Leben gerufen. Denn die gut 400 Stäffele im Stuttgarter Stadtgebiet bergen einzigartige Potenziale: Autofrei, oft von etwas wildem Grün umwachsen oder mit Brunnen verziert, bieten sie überraschende Abkürzungen und schöne Ausblicke über den Stuttgarter Kessel.

Von August 2016 bis Frühjahr 2018 entstanden verschiedenste Aktionen auf den Treppen:  sportliches Training auf den Stufen, Konzertevents, Gärtnern in den Randbereichen, künstlerische Installationen. Bewohnerinnen und Bewohner, Läden, Lokale und Vereine wurden mit einbezogen und konnten als Stäffele-Paten mitgestalten und Verantwortung übernehmen.

Johannes Heynold, einer der Initiatoren hat uns in die Geheimnisse der Umsetzung  eingeweiht.

Genehmigung

Ganz am Anfang waren wir im Bezirksbeirat und haben unsere Idee dort vorgestellt.

Nach der Absprache mit dem Bezirksbeirat haben wir dem Ordnungsamt drei Staffeln genannt und „ausgemacht“, mit genauen Plänen der Studierenden die Details zu klären. Für uns schien damit alles klar und wir kündigten schon die Eröffnungsdaten an. Das Ordnugnsamt war etwas überrascht, als wir dann bei Ihnen mit den Studierenden waren, beriet aber die Studierenden was möglich sei und was warum nicht und fasste dann das besprochene einfach Stichwortartig zusammen. Daraus wurden direkt unsere Auflagen. Das war natürlich ideal und würde ich mir als „offene Dialogstunde mit dem Ordnungsamt“ allgemein wünschen.

zB an Zäunen wurden wir an die Anwohnern verwiesen, da es nicht im öffentlichen Besitz ist.

„Ohne Genehmigung ging ich bei Hocketse, Speed-Dating, Lesung und Live-Hörspiel vor. Anwohner waren hierbei immer involviert. Nachdem nie eine Genehmigung nötig war und ich die Vorgaben kannte (Laufbreiten, freie Geländer, keine Gaskocher, Kontaktadresse), habe ich das Risiko ungenehmigter Veranstaltungen später immer in Kauf genommen. Auch um anderen Mut zu machen, wie einfach Gestaltung im Öffentlichen Raum ist, wenn man sich konstant Verantwortung und sich als Verantwortlicher zu erkennen gibt.“

 

Ankündigung:

Die Ansprache der direkten Nachbarn erfolge zuerst per Briefkasteneinwurf von Postkarten. Neben einer Ankündigung des Projekts war auf der Vorderseite auch ein Fragebogen zum Quartier, der durch Ankreuzen / kommentieren ausgefüllt wurde. Dann konnte man die voradressierte Postkarte kostenlos an die Uni schicken.

Die beste Werbung ist dann sicherlich einfach Anwesenheit beim Aufbau.

Außerdem stellte ich die Veranstaltung bei Facebook rein und die Presse nahm sie in Ihren Kalender auf. In Stuttgart gibt es eine gut moderierte Facebook-Gruppe „Stuttgart for free“, die für Reichweite unglaublich wertvoll war. In Frankfurt fehlt so etwas z.B. komplett.

Nach der Empfehlung einer Nachbarin gab es danach zudem A4-Aushänge.

Weitere Veranstaltungen wurden über den Kalender der Stadt Stuttgart beworben.

„Stäffele Speed Dating habe ich einfach über meinen Tinder-Account beworben. Je nach Veranstaltung muss man eben kreativ sein.“

Je nach Veranstaltung und Wetter kamen zwischen 4 und 50 Personen. Es gab aber auch eine „Wünsche-Wand“ bei der ich mehr als 80 Zettel gezählt habe. Sicher kamen mehr vorbei, aber das Papier war zu schnell alle.

 

Dokumentation:

Danke an die MacherInnen. Denn sie haben uns ihre Erfahrungen in einem „Kochbuch für die Stadt“ niedergeschrieben. Und dieses wirklich schön gestaltete Kochbuch gibt es zum download >> hier.